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Studieren in Deutschland

Voraussetzungen

An einer deutschen Universität oder Fachhochschule darf man studieren, wenn man eine entsprechende Hochschulzugangsberechtigung hat. Hierzu zählen:

  • Die allgemeine Hochschulreife – Abitur. Dieses kann an einem allgemeinbildenden Gymnasium, an einem Kolleg oder an einer Abendschule erworben werden.
  • Fachhochschulreife – die Fachhochschulreife kann man unter anderem an einer Fachoberschule, einem beruflichen Gymnasium oder einer Berufsoberschule ablegen.
  • Fachgebundene Hochschulreife – auch diesen Abschluss kann man unter anderem an Fach-gymnasien und beruflichen Gymnasien erlangen.

Darüber hinaus sind je nach Studiengang weitere Voraussetzungen zu erfüllen. So kann es beispielsweise notwendig sein, dass man Fremdsprachenkenntnisse oder Praktika nachweist.


Warum studieren?

Nach dem Schulabschluss bieten sich viele unterschiedliche Möglichkeiten – ein Studium ist dabei eine tolle Chance, Neues zu lernen und den Horizont zu erweitern. Auch wenn ein Studium mehrere Jahre dauert, macht sich das in der Regel auf lange Sicht bezahlt:

  • Ein Hochschulabschluss beweist, dass man fähig ist, wissenschaftlich zu denken und zu arbeiten. So eröffnen sich viele neue berufliche Möglichkeiten.
  • Ein Studium belegt auch, dass man in der Lage ist, eigenständig zu arbeiten. Auch das schätzen viele Arbeitgeber.
  • Menschen mit akademischem Abschluss sind am wenigsten von Arbeitslosigkeit betroffen.
  • Menschen mit Hochschulabschluss verdienen häufig mehr als Menschen mit beruflicher Ausbildung.

Dennoch sollte man nicht vergessen, dass es mit dem dualen beruflichen Ausbildungssystem in Deutschland eine attraktive Alternative zum Studium gibt – auch mit einer Ausbildung hat man gute Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten (siehe hierzu auch Broschüre [[AUSBILDUNG!]])!


Die Wahl des Studiengangs

Damit ein Studium erfolgreich absolviert werden kann, ist es wichtig, dass man die eigenen Interessen, Fähigkeiten und Motivation so gut wie möglich kennt. Erst dann kann man gezielt nach Studiengängen suchen. Hilfe erhält man unter anderem bei der Studienberatung, die es an fast jeder Hochschule und bei der Bundesagentur für Arbeit gibt.

Viele Hochschulen bieten regelmäßig Informationstage an. Dort kann man sich über das Studienangebot informieren, sich mit Studierenden austauschen und mit Mitarbeitenden Kontakt knüpfen. Wer beabsichtigt, zu studieren, sollte sich die Zeit nehmen, um solche Angebote wahrzunehmen!


Welche Arten der Hochschule gibt es?

  • Universitäten

    Universitäten sind meist forschungszentriert und bieten in der Regel ein breites Spektrum an Fächern an.
    Manche Universitäten sind auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert, wie etwa technische Universitäten.
    Ein entscheidendes Merkmal der Universitäten in Deutschland: Nur an einer Universität kann man einen Doktortitel erwerben.

  • Fachhochschule

    An Fachhochschulen herrscht eine starke Praxis- und Anwendungsorientierung
    Vor allem ingenieur-, natur-, wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fächer werden hier angeboten.

  • Kunst- und Musikhochschulen

    Sie sind Universitäten gleichgestellt
    Bieten Ausbildung in bildenden, gestalterischen und darstellenden Künsten an

Die meisten Universitäten und Hochschulen sind vom Staat finanziert.


Bewerbung und Zulassung

Wenn man sich für einen Studiengang entschieden hat, muss man sich informieren, ob man sich bewerben muss oder ob eine einfache Ausschreibung ausreicht.

Auch wenn man die allgemeinen Studienvoraussetzungen erfüllt, kann man sich für manche Studiengänge nicht einfach „anmelden“. Bei besonders beliebten Studiengängen muss man ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Dabei unterscheidet man zwischen örtlicher Zulassungsbeschränkung und bundesweiter Zulassungsbeschränkung.

Örtliche Zulassungsbeschränkung

  • Bedeutet, dass es sich um einen Studiengang handelt, der an einer bestimmten Hochschule beschränkt ist
  • Wichtig dabei ist der Numerus Clausus: Übersteigt die Zahl der Bewerbungen die vorhandene Zahl an Studienplätzen, werden nur die besten Bewerber genommen
  • Neben der Durchschnittsnote gibt es noch weitere Kriterien, die manchmal Anwendung finden
    • Wartezeit
    • Auswahlgespräche
    • Praktikum

Bundesweite Zulassungsbeschränkung

  • Bestimmte Studiengänge sind so beliebt, dass sie im gesamten Gebiet der BRD zulassungsbeschränkt sind. Dazu gehören unter anderem:
    • Medizin
    • Pharmazie
    • Tiermedizin
    • Zahnmedizin
  • Hier erfolgt die Bewerbung zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung

Es gibt allerdings auch Studiengänge, die zulassungsfrei sind! Hier genügt es, wenn man Abitur, Fachhochschulreife oder bestimmte berufliche Qualifikationen und langjährige Berufserfahrung vorweisen kann, um sich einzuschreiben. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass es auch hier bestimmte Fristen gibt, die beachtet werden müssen.


Welche Studienabschlüsse gibt es?

Bachelor

  • „Bachelor of Arts“; „Bachelor of Science“; „Bachelor of Engineering“
  • Beim Bachelor handelt es sich um den ersten berufsbefähigenden Abschluss
  • Die Regelstudienzeit beträgt 3, höchstens aber 4 Jahre.

Master

  • „Master of Arts“, „Master of Science“; „Master of Engineering“
  • Um an einem Master-Programm teilzunehmen, muss man bereits über einen Bachelor-Abschluss verfügen
  • Die Regelstudienzeit beträgt 1 bis 2 Jahre

Staatsexamen

  • Studiengänge mit diesem Abschluss studiert man zwar an einer Uni, Abschlussprüfungen werden aber von staatlichen Prüfungsausschüssen vorgenommen
  • Diesen Abschluss gibt es in den folgenden Fachgebieten: Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Jura, Pharmazie, Lebensmittelchemie, Lehrämter

Alltag im Studium

Was in der Schule die Schuljahre, sind an der Uni die Semester: Das Wintersemester dauert von Oktober bis März, das Sommersemester von April bis September. Allerdings finden nicht das ganze Jahr über Kurse, sogenannte Vorlesungen, statt: Diese sind in der Regel auf den Zeitraum von Oktober bis Januar und April bis Juli beschränkt. In diesem Zeitraum finden Kurse an der Universität statt. Oft haben Studierende nur wenige Kurse die Woche – das heißt aber nicht, dass sie in der übrigen Zeit nichts tun: Sie müssen die Kurse vor- und nachbereiten, Texte lesen und verfassen, Übungen erledigen, Informationen recherchieren, usw.

In der vorlesungsfreien Zeit haben die Studenten ebenfalls keinen Urlaub: In dieses Zeit schreiben sie Klausuren, verfassen Hausarbeiten und Essays oder absolvieren Praktika, um Berufserfahrung zu sammeln.


Wie kann man ein Studium finanzieren?

In Deutschland muss an staatlichen Universitäten und Hochschulen keine Studiengebühr bezahlt werden. Dennoch kostet ein Studium Geld: Wer an einen anderen Ort zieht, muss beispielsweise Miete bezahlen, zudem fallen Kosten an für Lernmittel (beispielsweise für Bücher) und zum Beginn jedes Semesters muss man der Universität eine Verwaltungsgebühr überweisen, die durchaus mehrere Hundert Euro betragen kann. Wie lässt sich das finanzieren?

Zum einen können Studierende natürlich einen Nebenjob annehmen – das hängt aber davon ab, wie viel Zeit man hat bzw. wie arbeitsintensiv das Studium ist. Darüber hinaus gibt es nicht in jeder Region Deutschlands ausreichend Studentenjobs.

Die meisten Studierenden haben aber auch die Möglichkeit, Bafög zu beantragen: Dabei handelt es sich um staatliche Unterstützung für Studenten. Studierende können bis zu 670 Euro monatlich bekommen. Die Hälfte dessen, was Studierende an Bafög erhalten, ist ein Zuschuss, die andere Hälfte ein zinsloses Darlehen – das heißt, man muss die Hälfte der Summe nach Ende des Studiums zurückzahlen. Allerdings sollte man von Anfang an im Blick behalten, dass Bafög nur für einen begrenzten Zeitraum bezogen werden kann (normalerweise während der Regelstudienzeit) und dass es, sofern man den Studiengang wechselt, nicht garantiert ist, dass man weiterhin Bafög bekommt. Außerdem muss man nach Antragsstellung unter Umständen mehrere Monate warten, bis man einen Bescheid bekommt – in dieser Zeit muss man sich noch selbst finanzieren!

Darüber hinaus können Studierende sich für ein Stipendium bewerben. Bei einem Stipendium handelt es sich um finanzielle Förderung, die nach dem Studium nicht zurückgezahlt werden muss. Stipendien werden u.a. von politischen Stiftungen, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung oder anderen Fördereinrichtungen vergeben. Gute Noten sind wichtig, doch darüber hinaus kommt es meistens auch auf soziales und politisches Engagement an.


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