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Der richtige Umgang mit Noten und Zeugnissen

Zeugnisse sind an den meisten Schulen eine Selbstverständlichkeit, doch bei Schülerinnen und Schülern kommt dabei nicht unbedingt Freude auf – oft sind sie frustriert oder von sich selbst enttäuscht, wenn sie in einem oder mehreren Fächern schlechte Noten haben und deshalb vielleicht sogar um ihre Versetzung bangen müssen. Manche haben darüber hinaus aber auch Angst vor der Reaktion der Eltern – etwa, wenn diese unzufrieden sind oder sogar böse werden. Für Eltern ist die Situation aber auch nicht einfach: Wenn das Kind schlechte Noten mit nach Hause bringt, wissen sie oft nicht, wie sie ihrem Kind Trost bieten und es wieder aufmuntern können.

Eine schwierige Situation also – man muss aber nicht gleich verzagen, denn beachtet man ein paar Tipps und Hinweise der Experten, kann man kritische Situationen entschärfen und die eigenen Kinder ideal unterstützen.

Was sagt ein Zeugnis aus?

Ein Schulzeugnis gibt zunächst einmal Auskunft über die benoteten Leistungen des vergangenen (Halb-)Jahres. Auf diese Weise ermöglicht es einen Überblick über die Entwicklung der Leistungen eines Schülers über einen längeren Zeitraum sowie Vergleiche unter den Schülerinnen und Schülern. Ein Zeugnis ist letzten Endes also ein Instrument, mit dessen Hilfe Schülerinnen und Schüler beurteilt werden können.

Aber: Eltern und ihre Kinder sollten sich immer wieder bewusst machen, dass ein solches Zeugnis im Grunde doch nur einen begrenzten Aussagewert hat. So sagt das Zeugnis wenig über persönliche Entwicklungen aus: Ist das Kind im vergangenen Jahr selbstbewusster geworden? Hat sich eine neue Schülerin besonders schnell in den Klassenverband integriert und neue Freunde gefunden? Ist ein Schüler überdurchschnittlich kreativ und fantasievoll? Oder zeichnet sich ein Kind durch seine Hilfsbereitschaft aus? All das sind wichtige Eigenschaften, die im privaten und beruflichen Leben später eine große Rolle spielen werden, im Zeugnis aber kaum Berücksichtigung finden.

Vom Umgang mit schlechten Noten

Die wenigsten Schulkinder stecken schlechte Noten einfach so weg. Meist sind sie ebenfalls enttäuscht oder frustriert oder haben sogar Angst vor der Reaktion der Eltern. Am allerwichtigsten ist in diesem Moment, dass Eltern ihr Kind wegen einer schlechten Note nicht runtermachen oder bestrafen – davon wird schließlich auch nichts besser!

Experten raten zur Ehrlichkeit: So können Sie beispielsweise sagen: „Ja, du hast in diesem Fach eine schlechte Note. Das tut mir leid.“ Mütter und Väter sollten ihren Kindern auch immer wieder deutlich machen, dass sie nicht allein sind in dieser Situation. Man kann unter anderem hervorheben, dass man gemeinsam nach einer Lösung suchen wird. Jugendliche kann man auch direkt fragen: „Wie kann ich dir helfen? Welche Unterstützung brauchst du?“ So wird dem Kind signalisiert, dass man bereit ist, auf dessen Wünsche und Bedürfnisse einzugehen.

Wichtig ist zudem, dass Eltern nicht nur auf die schlechten Noten eingehen – man sollte gute Zensuren oder Verbesserungen in bestimmten Fächern ebenfalls berücksichtigen und diese loben!

Generell ist es wichtig, das Kind immer wieder auf Fortschritte und Entwicklungen in allen Lebensbereichen aufmerksam zu machen. Je nach Alter kann man dabei unterschiedliche Aspekte in den Vordergrund stellen. Ein Kind im Grundschulalter kann man beispielsweise dafür loben, dass es es schafft, seine Schultasche allein zu packen, Jugendliche kann man darauf aufmerksam machen, wie toll man es findet, dass sie es schaffen, die Schule und Hobbies unter einen Hut zu bekommen. So stärkt man das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen und mach deutlich, dass Schulnoten nicht alles sind.

Wie kann man zum schulischen Erfolg des Kindes beitragen?

  • Eltern sollten sich immer wieder bewusst machen, dass anhaltender Leistungsdruck auf lange Sicht für Kinder nicht gesund ist. Ein Kind sollte nicht ununterbrochen am Schreibtisch sitzen und über Aufgaben brüten. Stattdessen brauchen Kinder Zeit zum Toben, für gemeinsame Aktivitäten mit Freunden oder einfach mal zum Nichtstun.
  • Schaffen Sie Rahmenbedingungen, in denen das Kind gern lernt und arbeitet. Dazu gehört ein eigener Schreibtisch an einem ruhigen Ort – hier sollte ausreichend Platz sein für Hefte, Bücher und andere Utensilien. Darüber hinaus ist es wichtig, herauszufinden, wann das Kind am besten lernen kann und wie oft es Pausen benötigt.
  • Viele Eltern meinen, dass sie ihrem Kind einen Gefallen tun, wenn sie es auch in den Ferien zum Lernen animieren. Das bringt aber in der Regel nicht viel – gönnen Sie Ihrem Kind daher die Freizeit, in der es mit Freunden spielt, ins Schwimmbad geht oder Bilder ausmalt. Gemeinsame Aktivitäten, wie Besuche im Museum, im Zoo oder in der Bibliothek, können die Neugier Ihres Kindes wecken. Dann will es vielleicht bald schon von allein mehr zu einem bestimmten Thema wissen!
  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass die schulischen Leistungen Ihres Kindes nachlassen oder dass Ihr Kind nicht mehr gern zur Schule geht, sollten Sie Kontakt mit der Schulleitung bzw. mit den entsprechenden Lehrern aufnehmen und das Gespräch suchen. Das Gespräch sollte aber nicht heimlich hinter dem Rücken Ihres Kindes stattfinden!
  • Alternativ kann man sich an Beratungsdienste außerhalb der Schule wenden – die Mitarbeitenden von Tuong Lai haben beispielsweise ein offenes Ohr, wenn Sie Rat und Unterstützung benötigen!

Foto: Green Chameleon | Unsplash.com | CC0 1.0 Public Domain